Vom 4. bis zum 8. Mai war eine Delegation des Gemeinderates (conseil municipa,l)von Sulniac in Altenbruch zu Besuch, um mit der Unterzeichnung einer Partnerschaftserklärung die Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden zu besiegeln. Da ein solches Ereignis den ganzen Ort angeht, soll im folgenden über diesen Besuch berichtet werden.
Sulniac, ein Ort von 1800 Einwohnern, liegt ca. 15. Kilometer von Vannes, der französischen Partnerstadt von Cuxhaven, entfernt. Nachdem bereits im letzten Jahr (1984) von einer Abordnung des Altenbrucher Ortsrates erste Kontakte in Sulniac geknüpft worden waren, kamen nun fünf Sulniacois (So nennen sich die Einwohner von Sulniac, es wird ,,Süniakwa“ ausgesprochen) zu einem Gegenbersuch nach Altenbruch.
Die Gruppe bestand aus Pierre LeDroguen, dem Bürgermeister von Sulniac, Gerard Piganeau, dessen Stellvertreter, Dr. Monique Nordey-Hendry (Arztin in Sulniac) und Remi LeSciellour, zwei Ratsmitgliedern und Aline Saget, einer Verwaltungsangestellten im Rathaus von Sulniac. Neben Ortsbürgermeister Werner Schütt, Günther Rademacher und Rolf Ehlers wechselten sich die Mitglieder des Ortsrates Altenbruch bei der Betreuung der Gäste ab. Für Unterhaltungen standen meist zwei Übersetzer zur Verfügung (abwechselnd Jacqueline Soth, Andrea Feldmann, Jürgen Janus), da nur zwei der Bretonen Deutsch verstanden. Die Franzosen waren am Freitag, dem 3. Mai 1985, zusammen mit einer Gruppe von Verwaltungsangestellten aus Vannes, die zu Freunden aus
dem Rathaus Cuxhaven wollten, in der Bretagne losgefahren und kamen nach 18 stündiger Busfahrt frühmorgens in Cuxhaven an. Von hier wurden sie nach dem Frühstück von Ortsbürgermeister Schütt und einer Abordnung des Gemeinderates nach Altenbruch abgeholt.
Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Pension Christa Hahn (damals Wehldorfer Straße/ 2. Haus links), wo die Gäste während ihres Aufenthaltes untergebracht waren, gab es gegen Mittag einen
Begrüßungsumtrunk mit kleinem lmbiss im Hotel ,,Deutsches Haus“. Der Nachmittag wurde nach der Anstrengenden Fahrt dann gern zum Schlafen genutzt, denn am Abend stand der offizielle Empfang in der Villa Gehben auf dem Programm, auf dem die Partnerschaftserklärung unterschrieben werden sollte.
Neben OB Harten und Oberstadtdirektor Dr. Eilers hatten sich Vertreter öffentlicher Einrichtungen in Altenbruch und Altenbrucher Vereine zusammengefunden, um dem festlichen Akt bezuwohnen und in kurzen Gesprächen mit den Franzosen erste Kontakte zu knüpfen.
Zu dieser Gelegenheit wurde von den Sulniacois eine Fahne mit dem Wappen von Sulniac überreicht, die man extra für diesen Besuch hatte anfertigen lassen. (Es war auch lange die einzige Sulniacfahne, die es überhaupt gab.)
Bei dem Anschließenden Essen mit Blick auf die Elbe bei Arthur Park im Strandhaus auf dem Deich bei Altenbruch konnten alle Anwesenden feststellen, dass man nicht nur in Frankreich sehr gut essen kann.
Am Sonntag stand am Vormittag ein Besuch der Freiwilligen Feuenrvehr Altenbruch und des Deutschen Roten Kreuzes/ Ortsgruppe Altenbruch auf dem Programm. Gegen Mittag wurde die Reithalle in der Heerstraße besichtigt. Es folgte eine Einladung auf den Hof von Annegret und Wilhelm Bulle. Von den Torten (angefertigt von Frau Döscher), die es dort zum Kaffee gab, erzählten die französischen Gäste (so hoch!) noch am Tag ihrer Abfahrt mit Freude.
Abends gab es dann ein Essen auf dem Hof des Ortsbürgermeisters, das dessen Ehefrau Annemarie liebevoll nach altem Hausrezept zubereitet hatte (gepökelter Rinderbraten, einfach lecker). Anschließend folgte ein Gang über den Obsthof Schütt, bei dem die Sulniacois viel über den Obstanbau in Norddeutschland erfuhren. ln der Pension Hahn wurden anschließend noch zwei selbstgedrehte Schmalfilme über die Auswirkungen der letzten großen Sturmflut und der
Schneekatastrophe 1979 im Bereich Altenbruch gezeigt, welche die Gäste doch sehr beeindruckten. Mit einem wechselseitigen Singen französischer und deutscher Volkslieder wurde dieser Tag dann abgeschlossen.
Der Montag war für die Besucher aus Sulniac der wohl anstrengenste Tag. Am Vormittag besuchte man den Kindergarten, anschließend wurde den Gästen in der Altenbrucher Schule Gelegenheit gegeben, dem Unterricht in zwei Klassen kurz beizuwohnen. Zuvor hatte Rektor Erich Schumacher einige Erläuterungen zum deutschen Schulsystem gegeben.
lm Anschluss an die Schule wurde die Kirche besichtigt. Pastor Hans-Christian Biallas, der schon im Kindergarten für Fragen zur Verfügung gestanden hatte, zeigte und erläuterte den Sulniacois den alten Altenbrucher Bauerndom. Bei einer Tasse Kaffee im Gemeindehaus wurden abschließend noch Fragen zur Kirchengemeinde geklärt.
Nach einem Aalessen im Gasthaus ,,Zur Schleuse“ am Altenbrucher Hafen hörten die Gäste einen Vortrag über Entwässerungsprobleme in der Marsch und über die Altenbrucher Schleuse, die zwischen dem historischen Leuchtturm ,,Dicke Berta“ und dem Lokal ,,Zur Schleuse“ gelegen, eine lebenswichtige Rolle für das Leben hinter dem Deich spielt.
Anschließend fuhr man dann mit dem Mannschaftsbus der Freiwilligen Feuerwehr Altenbruch, die während des gesamten Aufenthaltes den Fahrdienst stellte, zum Hof Halter ins Altenbrucher Osterende. Während des Kaffeetrinkens berichtete Landwirt Halter lnteressantes über seinen
Betrieb. Besonders Bürgermeister Pierre LeDroguen, selbst Landwirt, war sehr interessiert und stellte fest, dass die Probleme der Landwirte in Deutschland wie in Frankreich ähnlich gelagert seien.
Zum Abendessen fand man sich im Hotel ,,Deutsches Haus“ zu einer traditionellen Hadeler Hochzeitssuppe zusammen. Anschließend war die Delegation zu Gast bei einer Chorprobe des Männergesangsvereins, die auf dem Saal des Deutschen Hauses stattfand. Wiederholt zeigte
sich die Sulniacois beeindruckt vom regen Vereinsleben in Altenbruch. ln kleinen Gesprächsrunden konnten sich die Chormitglieder bei den Bretonen über Sulniac informieren.
Wie auch bei anderen Gelegenheiten und Bürgermeister LeDroguen die Altenbrucher ein, Sulniac zu besuchen. Den Abschluss fand der Tag dann in der Pension Hahn und wie man später höfte, wurde es eine lange Nacht.
Nach einer Stadtrundfahrt durch Cuxhaven gab es am Dienstagvormittag einen offiziellen Empfang durch den Rat der Stadt für die Gäste aus Sulniac und aus Vannes im Rathaus von Cuxhaven.
Mittags traf man sich zu einem delikaten Sauerkrautessen im Haus der Familie Rademacher in der Straße ,,lm Osthof“, ein Kaffeetrinken bei Familie Ehlers im Ernst-Gehben-Weg schloss sich an. Auf Wunsch der Franzosen folgte ein Spaziergang über den in der Nähe liegenden Friedhof. Küster Karl-Heinz Buddecke gab Erklärungen und zeigte den Besuchern auch das als Friedhofskapelle dienende Mausoleum, das ursprünglich der Familie Gehben gehört hatte.
ln Frankreich sind die Gräber meist mit Steinplatten abgedeckt, häufig bergen kleine Steinhäuser die Särge. Die Toten bleiben bis zur Beerdigung zu Hause oder im Krankenhaus. So zeigten sich die bretonischen Gäste doch sehr beeindruckt. Besonders der ,,lebendige“ Pflanzenschmuck der Gräber fand ihren Gefallen.
Am Abend waren dann die Delegation aus Sulniac und einige ihrer deutschen Begleiter von der Vanneter Gruppe zu einem französischen Abend in die Altenbrucher Schützenhalle eingeladen. Den Service hatten an diesem Abend Mitglieder des schützenvereins Altenbruch übernommen.
Es wurde getanzt, geklönt und zwischendurch konnte man sich an einem kalten Buffet stärken, für das die Franzosen Langustinen, Austern und andere Spezialitäten aus Vannes mitgebracht hatten. Natürlich durfte zum Essen auch der Apfelbranntwein (Nur der aus der Normandie – aus der Region Calvados – darf sich Calvados nennen) nicht fehlen. In Sulniac wird er von einigen Familien (geerbtes Recht) noch selbst gebrannt und hat einen entsprechend hohen Alkohorgehalt. AIs Überraschung hatte der Altenbrucher Ortsrat, als deutschen Beitrag, die Altenbrucher Blaskapelle engagiert. Es war schon spät, als die letzten Gäste nach diesem gelungenen Abend nach Hause gingen.
Am Mittwioch nach dem Frühstück, für das der ortsansässige Bäckermeister Karl-Wilhelm Tiedemann wie jeden Morgen diverse Köstlichkeiten aus seiner Backstube spendiert hatte, gab es einen kleinen Umtrunk in der Altenbrucher Zweigstelle der Stadtsparkasse, wo Zweigstellenleiter Meißner im Namen der stadtsparkasse den Besuchern ein kleines Gastgeschenk überreichte.
Während die beiden Bürgermeister anschließend an einer Gedenkfeier anlässlich des 8. Mais teilnahmen (Ende 2. Weltkrieg), hatten die übrigen Sulniacois Gelegenheit, einen Einkaufsbummel in Cuxhaven zu machen. Für den Nachmittag hatte Heinz-Jürgen Hahn eine Überraschung organisiert. Mit seinem Boot wurde eine Tour vom Altenbrucher Hafen zum Jachthafen in Cuxhaven und zurück unternommen. Da das Wetter sich äußerst gastfreundlich zeigte, wurde die Fahrt für alle Teilnehmer
ein angenehmes Erlebnis.
Abends, bei dem letzten gemeinsamen Essen, zu dem die französische Delegation eingeladen hatte, betonten alle Beteiligten, dass man die Angefangenen Kontakte weiter ausbauen wolle und die Bretonen bedankten sich für die efahrene Gastfreundschaft in Altenbruch. Bürgermeister Pierre LeDroguen schloss seine Rede mit einem ,,A bientöt ä Sulniac“ (Bis bald in sulniac), womit er alle Altenbrucher gemeint hatte.
Wer wissen möchte, wie es in Sulniac aussieht, kann sich aber auch erst einmal das Fotoalbum anschauen, das die Sulniacer als Geschenk für alle Altenbrucher mitgebracht haben. Es liegt in der Villa Gehben aus.
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